Die Situation der Frauen in Papua Neuguinea

admin am 5. Mai 2011

Eindrücke aus dem Jahr 2008 von einer  Besuchsreise ins Partnerdekanat Asaroka im östlichen Hochland von Papua Neuguinea und im Yagaum Hospital an der Küste nahe Madang. (…)

Frauen im Dorf

80 % der Bevölkerung Papua-Neuguineas leben auf dem Land in Dorfgemeinschaften vom Ertrag ihrer Felder und Gärten. Die Familien leben in einfachen Häusern aus Naturmaterial der Umgebung. Das Grundgerüst besteht aus Holz, die Wände aus geflochtenen Bambusmatten und das Dach aus Kunaigras. Im Hochland werden die Häuser mit einem offenen Feuer, oft in einem transportablen Feuerbecken aus Metall, beheizt. Es gibt keinen Kamin, der Rauch zieht durch Dach und Wände ab.

In den Dörfern sind die Frauen für die Familie und die Landwirtschaft in Form meist mehrerer Gärten und / oder Felder zuständig. Sie bauen für den täglichen Bedarf Süßkartoffeln, Gemüse und Obst an. Die fruchtbaren Böden verbunden mit tropischem Klima nur wenig südlich des Äquators erlauben tägliches Ernten das ganze Jahr über.

Überschüsse werden auf dem Markt verkauft. Das so erwirtschaftete Geld wird dringend für kleine Anschaffungen, die Schulgebühren der Kinder und die medizinische Versorgung, aber auch für Fahrten mit dem PMV und nicht zuletzt für den Betrieb des Mobiltelefons gebraucht. Es ist oft das einzige Geld, das zur Verfügung steht. Viele Dörfer im Hochland von PNG sind nur zu Fuß auf schmalen, steilen Wegen erreichbar. Befahrbare Straßen gibt es nur wenige. Alles, was die Frauen auf ihren Wegen zu Fuß transportieren müssen, die Ernte vom Feld oder aus dem Garten, Feuerholz oder auch das Baby, laden sie in selbst hergestellte Netzsäcke (Bilum). Die oft über 30 kg schweren Bilums tragen sie mit ihrem Kopf auf ihrem Rücken.

Im Hochland von PNG kann die Bevölkerung zusätzlich Geld mit dem Ertrag ihrer Kaffeegärten verdienen.

Schul- und Ausbildung von Mädchen und Frauen

Die meisten Mädchen haben heute die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Nur in weit entlegenen Gebieten haben die Kinder oft keinen Zugang zu Schulen. Wenn den Eltern die Ausbildung ihrer Töchter wichtig ist und sie in der Lage sind, die Schul- bzw. Studiengebühren zu bezahlen, dürfen die Mädchen mehrere Jahre zur Schule gehen und später auch studieren. Gibt es jedoch finanzielle Schwierigkeiten in den Familien, müssen die Mädchen oft zu Hause bleiben während den Jungen der Abschluss ihrer Schul- und Berufsausbildung gewährt wird.

Etwa die Hälfte der erwachsenen Frauen lebt im Dorf, ein Viertel lebt in der Stadt bei Verwandten, nur ein Viertel der Frauen in der Stadt oder in Stadtnähe hat einen bezahlten Arbeitsplatz in einem Geschäft, bei Bank oder Post, im Krankenhaus oder als Lehrerin. Frauen sind in vielen Berufen anzutreffen, im Parlament war 2008 nur eine Frau australischer Abstammung, Lady Carol Kidu.

Frauen in der Kirche

In der Evang. Luth. Kirche von Papua-Neuguinea (ELC PNG) stehen die Frauen noch  in der zweiten Reihe. Sie können zwar an einem der drei Pastorenseminare, dem Martin-Luther-Seminar in Lae, Theologie studieren und mit Diplom abschließen, werden danach aber nicht ordiniert und können somit keine Kirchen leitenden Funktionen übernehmen. Aber dennoch engagieren sich die Frauen selbstbewusst in der Frauenarbeit, schließlich waren es Frauen die zuerst das leere Grab Christi fanden und die Botschaft von seiner Auferstehung den Jüngern brachten. Auch heute sehen sie ihre Aufgabe darin, das Evangelium in ihren Familien und als Leiterinnen der Frauenarbeit anderen Frauen weiterzugeben.

In allen Gemeindeverbänden wurden uns die Leiterinnen der Frauenarbeit vorgestellt. Ein Besuchsdienst und die Trauer- und Witwenbegleitung gehören zur Frauenarbeit in den Gemeinden. Auf Dekanatsebene wird u.a. der ökumenisch gefeierte WGT vorbereitet, Kurse und die Konferenz der Frauenarbeit abgehalten.

Frauen und Gesundheit

Fließendes Wasser und elektrischen Strom gibt es nur in den Städten. Den Menschen in den Dörfern steht nur das Wasser zur Verfügung, das in Wassertanks gesammelt oder in Kanistern von Quellen oder Flüssen ins Dorf getragen wurde. Brunnen oder Wasserpumpen haben wir nicht gesehen. 61 % der Bevölkerung müssen ohne zuverlässige Wasserversorgung leben.

Morgens und abends wird Wasser für die Zubereitung von Tee oder Kaffee am offenen Feuer erhitzt. Sind Wassertanks vorhanden, steht auch im Dorf Wasser zur Körperpflege und zum Geschirrabwaschen zur Verfügung, andernfalls geht man zum nächstgelegenen Fluss.

Das größte gesundheitliche Risiko für Frauen in PNG sind Schwangerschaft und Geburt. Papua-Neuguinea hat die höchste Sterberate im westlichen Pazifik: pro 100.000 Schwangere sterben 870 Mütter jährlich im Verlauf von Schwangerschaft und Geburt, insgesamt 2600 Frauen pro Jahr. Ursachen sind mangelnde gesundheitliche Aufklärung und das zusammenbrechende Gesundheitssystem. Die Wege zu den Krankenhäusern sind für Notfälle meist viel zu weit. Weitere Ursachen sind die Gewalt gegen Frauen und die Erschöpfung der Frauen durch viel Arbeit, viele Kinder und wenig Hilfe.

Das Yagaum Krankenhaus der Evang.-Luth. Kirche in PNG bietet deshalb einmal pro Woche eine Sprechstunde für Schwangere an. Zusätzlich wird vom Personal der Luth. School of Nursing in Madang an vier Tagen in der Woche eine mobile Klinik in der ländlichen Region betrieben. Regelmäßig werden die Dörfer besucht, Kinder unter fünf Jahren geimpft und Schwangere ermutigt, zur Sprechstunde ins Krankenhaus zu kommen.

 

 

Die Evang.-Luth. Kirche von PNG versucht mit Unterstützung der Partnerkirchen in Übersee, und dazu gehört auch die Evang. Luth. Kirche in Bayern, die Lebensbedingungen der Menschen in den ländlichen Gebieten mit ihren zahlreichen Bildungseinrichtungen, den Basiskrankenhäusern und Gesundheitsstationen (Aidposts) sowie dem Lutherischen Entwicklungsdienst zu verbessern.

Birgit Jaeger-Brox,

Beauftragte für Partnerschaft, Entwicklung und Mission

im Evang.-Luth. Dekanat Neu-Ulm

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